2015
Nachhaltig angebaute und verarbeitete Lebensmittel, ökologische Landwirtschaft und Naturentwicklung

Frank van Dommelen, Senior Relationship Manager

Welche Herausforderung hat den Denkanstoß für dieses Projekt gegeben?

Wer in der Landwirtschaft heute Nachhaltigkeit und Tierschutz mit moderner, gewinnorientierter Unternehmensführung in Einklang bringen will, muss immer wieder innovative Ideen entwickeln. Dies gilt auch für den Unternehmer und Landwirt Sjaak Sprangers, der seinen Milchhof in der Nähe eines und teilweise in einem niederländischen Naturschutzgebiet zwischen Tilburg und ’s-Hertogenbosch betreibt.

Der Kuhstall war renovierungsbedürftig, Sjaaks Kühe brauchten deshalb dringend ein neues Dach über dem Kopf. Es war ein ehrgeiziges Projekt: Einen neuen Kuhstall zu bauen, der sich harmonisch in die Landschaft einfügt, ganz auf die Bedürfnisse der Tiere zugeschnitten ist, mit begrenzten Ammoniak-Emissionen und ohne Schadstoffeintrag ins Erdreich des Naturschutzgebietes auskommt – und gleichzeitig zu zeigen, was unternehmerisches Denken heute heißt.

Welche innovative Strategie haben Sie zur Lösung dieses Problems entwickelt?

Der Bau eines neuen Kuhstalls in dieser natürlichen Umgebung erfordert angesichts all der Wünsche und Forderungen, mit denen man sich konfrontiert sieht, sehr breite Unterstützung und viel Sachverstand. Sjaak Sprangers begann daher einen Dialog mit Umweltschutzgruppen, dem lokalen Naturschutzverband, der Gemeinde Kaatsheuvel, dem Landwirtschafts- und Gartenbauverband der Region, dem Verband zum Schutz der Dünen, der landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Wageningen sowie verschiedenen Unternehmen im Bereich Agrartechnik.

Auf der Finanzierungsseite bemühte er sich um Fördermittel aus Brüssel. Zu den Geldgebern zählte auch das Wirtschaftsministerium. Unternehmen und technische Entwicklungsbüros boten ebenfalls finanzielle Unterstützung an.

Mit dem Know-how, den innovativen Ideen, der Inspiration, der Entschlossenheit und dem leidenschaftlichen Engagement dieser Gruppen ist ein Kuhstall ganz neuen Typs entstanden: der „Kwatrijnstal“.

Das innovative Gebäude im Überblick:

Umweltschutz:

Der Kwatrijnstal ist ein innovativer Kuhstall, der sich harmonisch in die Landschaft einfügt. Das Gebäude entspricht höchsten Tierschutzstandards, zeichnet sich durch niedrige Ammoniak-Emissionen aus und genießt in der Öffentlichkeit breite Unterstützung. Der Stall ist mit einem neuartigen Bodenbelag ausgestattet, über den Jauche und Festmist getrennt entsorgt werden. Dies führt zu einer starken Reduzierung der Ammoniak-Emissionen und verbessert die Biodiversität.

Integration in die Landschaft:

Mit seinem transparenten Design und der einzigartigen Dachkonstruktion fügt sich der Kuhstall ideal in die Landschaft ein und gibt Passanten „Einblick“ in die Vorgänge im Inneren. Im Vergleich zu einem geschlossenen Kuhstall scheint der Kwatrijnstal viel kleiner zu sein, nicht zuletzt deswegen, weil die umgebende Landschaft durch den Stall hindurch sichtbar ist.

Die abgestufte Dachkonstruktion lässt den Stall freundlicher erscheinen. Er ist damit kein überdimensionaler Fremdkörper in der Landschaft und passt zur traditionellen Architektur der Region.

Tierschutz:

Die Kühe haben im Kwatrijnstal 50% mehr Platz als in einem traditionellen Kuhstall. Es gibt „Liegeinseln“ für die Kühe, d. h. Strohbetten, die wärmeisolierend wirken und Feuchtigkeit aufsaugen. Das Stroh wertet auch den Festmist auf. Eine Spezialmaschine verteilt automatisch Stroh auf die Liegeinseln.

Gemolken wird mit einem mobilen, solarbetriebenen Melksystem. Der Kuhstall ist so konzipiert, dass es keine „toten Ecken“ gibt, in denen die Tiere dicht gedrängt stehen können. Die Bereiche, in denen sich die Tiere hinlegen können, sind sehr geräumig, und das Fressgitter ist offen. Dies reduziert die Gefahr, dass sich die Tiere selbst oder gegenseitig verletzen. Selbstverständlich haben die Kühe ganzjährig freien Zugang zu dem umliegenden Naturschutzgebiet.

Ökologisch:

Die Tiere werden mit Bioprodukten gefüttert. Sämtliches Rohfutter kommt aus dem Naturschutzgebiet selbst. Auch organischer Mist wird wieder in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt.

Da der Kuhstall so großzügig angelegt ist, sind Krankheiten und Verletzungen unter den Tieren selten und Medikamente wie Antibiotika kaum nötig. Nicht zuletzt deswegen produzieren die Jersey-Rinder gesunde Milch in so hoher Qualität, dass ein kleiner milchverarbeitender Betrieb daraus Bio-Eis, Bio-Käse und andere Milchprodukte herstellen kann.

Welchen Einfluss hat die Triodos Bank auf Ihr Geschäft?

Sjaak Sprangers hatte bereits einen ökologischen Landwirtschaftsbetrieb und arbeitete mit einer der großen Banken zusammen. Zusätzliche Finanzmittel waren erforderlich, denn bei dem Projekt waren ein innovativer Ansatz und öffentliche Unterstützung gefragt, und seiner Ansicht nach auch eine Bank, die ein solches Konzept mitträgt.

Mit der Triodos Bank konnte er seinen Kuhstall ökologisch „sauber“ finanzieren. Zudem war die Triodos Bank in dieser Branche ein bekannter Name und konnte in der Planungsphase konstruktiven Input geben. Auch andere Interessengruppen standen der Triodos Bank als Finanzpartner positiv gegenüber.

Welchen Einfluss hat Ihr Unternehmen auf den Sektor?

Dieses Projekt wurde von Umwelt- und Naturschutzgruppen und verschiedenen Landwirtschaftsverbänden, u. a. einer Arbeits- und Beratungsgruppe, die Unternehmer bei neuen Agrarprojekten in oder in der Nähe von Naturschutzgebieten berät, sehr aufmerksam verfolgt.

Das ‚Kwatrijn‘ hat sich zu einem Modell auch für andere Landwirte entwickelt, und die Entwickler wollen dieses Konzept vermarkten. Es gibt immer wieder organisierte Exkursionen für andere Landwirte.

Welchen Einfluss hat das Unternehmen auf die direkte Umgebung?

Im Vorfeld des Baus und während der Bauphase hatten viele Menschen aus der unmittelbaren Nachbarschaft die Gelegenheit, die Entwicklungen zu verfolgen. Dies hat zu einer breiten öffentlichen Unterstützung für dieses Projekt beigetragen.

Der neue Kwatrijnstal von Sjaak und Suzanne Sprangers wurde 2015 sehr öffentlichkeitswirksam von Staatssekretärin Sharon Dijksma eröffnet und erlangte damit auch landesweite Bekanntheit. Der Kuhstall und das Gesamtkonzept zeigen, dass es durchaus kein Ding der Unmöglichkeit ist, Landwirtschaft im Einklang mit der Natur zu betreiben.

Inwiefern kann sich die Triodos Bank mit der Vision Ihres Unternehmens identifizieren?

Der Eigentümer ist ein sehr leidenschaftlicher Biomilchbauer, der sehr viele Geschichten über seine Tiere und ihren natürlichen Lebensraum erzählen kann. Das Wohlergehen seiner Tiere hat für Sjaak Sprangers einen sehr hohen Stellenwert; für ihn ist es integraler Bestandteil eines landwirtschaftlichen Systems im Kreislauf mit der Natur, in dem künstliche Düngemittel, Pestizide, Herbizide und Medikamente keinen Platz haben. Dies entspricht ganz dem Leitbild der Triodos Bank.